„So wird Ihr Unternehmen wirklich „grün“

In Deutschland entstehen rund 20 Prozent der Treibhausgas-Emissionen in der Produktion. Mithilfe technischer Optimierungen können diese um 25 bis 30 Prozent reduziert werden. Doch auch das Handeln der Mitarbeitenden birgt erhebliches Energiesparpotential. Schätzungsweise weitere fünf Prozent der Treibhausgas-Emissionen lassen sich durch Veränderungen des Verhaltens bei den Mitarbeitenden einsparen. Genau hier setzt das Projekt ProNaK an.

Dr. Petra Schütt, Projektleiterin und Koordinatorin von ProNaK, ist überzeugt: „Will ein Unternehmen wirklich „grün“ werden, dann geht das nicht über Maschinen und Technik. Dann geht das nur mit den Menschen!“

 

ProNakIm Mittelpunkt von ProNaK stehen die Menschen. Die Mitarbeitenden und ihr Wissen. „Was bewegt mich am Thema Nachhaltigkeit?“ ist die Einstiegsfrage im ersten von drei Projekt-Workshops. „Mit dieser Frage holen wir die Mitarbeitenden dort ab, wo sie gerade stehen. Alle Lebensbereiche sind dabei angesprochen“, so Dr. Petra Schütt. Ausgangspunkt und Motivation der Mitarbeitenden sind vielfältig. Einigen ist Nachhaltigkeit wichtig, weil sie wissen: Ressourcen einsparen bedeutet, das Unternehmen im Wettbewerb zu stärken und damit den eigenen Arbeitsplatz zu sichern. Oder: Zu Hause trenne ich regelmäßig den Müll. Das möchte ich auch im Unternehmen machen. Und: Wenn Nachhaltigkeit zu Ausrichtung und Philosophie des Unternehmens gehört, dann möchte ich sie auch umsetzen.

Dr. Petra Schütt ist Soziologin und arbeitet am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. in München (ISF München), dem Impulsgeber für ProNaK. Als Projektleiterin und Koordinatorin ist sie überzeugt von dessen Möglichkeiten und Wirkung. Im Zentrum steht eine Reihe von drei Workshops mit zwischengeschalteten Praxisphasen. Die Mitarbeitenden werden für das Aufspüren innovativer Einsparpotentiale im Arbeitsumfeld sensibilisiert. Auf dieser Basis erarbeiten sie eigene Projekte und realisieren diese an ihrem Arbeitsplatz. Sie erzielen relevante Einsparungen und entwickeln Nachhaltigkeitskompetenzen. Parallel dazu werden Führungskräfte in einem gesonderten Workshop mit den Möglichkeiten vertraut gemacht, wie sie die Aktivitäten der Mitarbeitenden gezielt unterstützen können.

ProNaK ist gelebte Interdisziplinarität – sowohl im Team der Umsetzungspartner wie auch im Projekt selbst. „Wie kann Nachhaltigkeit funktionieren?“ Mit dieser Frage startete die Kooperation zwischen dem ISF München und der BSH Hausgeräte GmbH. Mehrere Umsetzungspartner, darunter auch das RKW Deutschland Kompetenzzentrum und RKW Bayern e.V., kamen dazu. Als pädagogischer Partner zeichnet die GAB München verantwortlich für das Bildungskonzept und seine Umsetzung. Arbeitswissenschaftler von der TU Chemnitz bringen ihre ingenieurwissenschaftliche Kompetenz ein. Dass diese Art der Kompetenzentwicklung tatsächlich auch Wirkung entfaltet, das zeigt die Evaluierung durch die Universität Hohenheim. Das gesamte Vorhaben ist gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Das Projekt selbst setzt auf Teambildung und übergreifende Kooperation zwischen Produktionsmitarbeitenden und Führungskräften. ProNaK setzt dabei konsequent auf die Erfahrungen der Mitarbeitenden. Die Vor-Ort-Kenntnisse und das Erfahrungswissen der Beschäftigten werden systematisch einbezogen. Entscheidend für die Öffnung und Entwicklung der Mitarbeitenden und damit entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung sind eine vertrauensvolle Atmosphäre sowie die innere Haltung der Führungskräfte. Dr. Petra Schütt: „Die Mitarbeitenden spüren, ob das Interesse an ihren Ideen ernst gemeint ist und sie mit ihrem ganzen Wissen angenommen werden. Nur so kann ein Weg eingeschlagen werden, der über Prozessbegleitung und Prozesssicherung hinausgeht. Nur so entwickelt sich die „Königsdisziplin“: die Prozess(mit)gestaltung.“

Ist diese Ebene erreicht, lassen sich enorme Einsparpotentiale erzielen. Produktionsprozesse und Organisation werden verbessert. Die Möglichkeit, die eigene Arbeitsumgebung aktiv zu gestalten, fördert auch Motivation und Zusammenarbeit in den Mitarbeiterteams. Die Nachhaltigkeitskompetenzen der Mitarbeitenden steigen. Dialog auf Augenhöhe zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften ist dabei wesentlicher Teil dieser Kompetenzentwicklung. Es kommt zum Imagegewinn auf allen Ebenen – nach innen wie auch nach außen.

„Innovation wird so oft in anderen Bereichen gesehen“, erlebt Dr. Petra Schütt immer wieder. „Technik ist wichtig. Doch ohne die Erfahrungen und das Wissen der Mitarbeitenden ist diese Technik nichts. Wenn Mitarbeitende Sinn und Wertigkeit ihres Wissens und ihrer Erfahrungen erkennen, wenn sie Handlungsspielräume entdecken und nutzen sowie Prozesse wesentlich mitgestalten können - verantwortungsbewusst, motiviert und kollegial ...
Dann wird Ihr Unternehmen wirklich „grün“.“

Dr. Petra Schütt
Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. München
ProNaK – Produktionsbezogene Nachhaltigkeitskompetenz - Projektleitung und Koordination
www.nachhaltigkeitskompetenz.de

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