Kirstin Kemether im Interview
Ob Kundenkontakt, Teamarbeit, Ausbildung oder Zeitmanagement: Erfolgreiche Zusammenarbeit lebt von guter Kommunikation und einem professionellen Auftreten. Seit fast 20 Jahren begleitet Kirsten Kemether Unternehmen im Auftrag des RKW Bayern mit praxisnahen Seminaren und Inhouse-Trainings zu Themen wie Rhetorik, Business-Knigge, Präsentation und dem professionellen Umgang mit Kundenbeschwerden.
Im Interview spricht sie darüber, warum Kommunikationskompetenz heute wichtiger denn je ist, welche Erfahrungen ihren beruflichen Weg geprägt haben und weshalb nachhaltiges Lernen vor allem durch Erleben, Ausprobieren und gemeinsames Erarbeiten entsteht.
1. Kommunikation, Auftreten und Zeitmanagement spielen im Berufsalltag eine zentrale Rolle. Warum sind diese Themen so wichtig – und wie können Unternehmen ihre Mitarbeitenden und Auszubildenden gezielt dabei unterstützen?
„Sie sind die Firma“ – so hat einer unserer Direktoren jeden neuen Mitarbeitenden begrüßt. Und tatsächlich: Jede und jeder von uns repräsentiert das Unternehmen. Wenn wir professionell und sachkundig auftreten, wirkt sich das positiv nach außen aus – man spricht über das Unternehmen.
Leider kennen wir alle auch Negativbeispiele. Diese sprechen sich bei Kundinnen und Kunden oft schneller herum als positive Erfahrungen. Dann heißt es schnell: „In diesem Unternehmen sind die Mitarbeitenden unfähig.“
Deshalb ist es wichtig, sich des eigenen Auftretens bewusst zu sein, Freundlichkeit zu leben und eine echte Dienstleistungsmentalität zu entwickeln. Das kann eine KI nicht leisten – und genau das wird uns künftig im Wettbewerb von anderen Anbietern unterscheiden.
Wir können immer nur eine Aufgabe gleichzeitig qualitativ hochwertig erledigen. Dafür benötigen wir die passenden Werkzeuge und ein gutes Zeitmanagement. Kommunikation, Auftreten und Zeitmanagement greifen daher unmittelbar ineinander. Qualität in der Arbeit braucht reibungslose Prozesse, Termintreue und die passende Kommunikation.
Wie können Unternehmen unterstützen? Durch Workshops, regelmäßige Trainings, den Austausch unter Mitarbeitenden und das konsequente Vorleben der Unternehmenswerte.
In der Führungsliteratur gibt es den Titel „Wir sind Wissensriesen, aber Realisierungszwerge“. Für mich beschreibt das die Realität sehr treffend. Wir wissen oft, wie es richtig geht, setzen dieses Wissen jedoch viel zu selten um. Deshalb gilt: dranbleiben, lernen, üben, trainieren und sich austauschen.
Hier setzt Personalentwicklung an – im täglichen Umgang von Führungskräften mit ihren Mitarbeitenden ebenso wie in regelmäßigen Weiterbildungsmaßnahmen. Jedes Unternehmen kann hier aktiv steuern und damit zum eigenen Erfolg beitragen.
2. Was sollten unsere Lesenden über Ihren beruflichen Weg unbedingt wissen? Gab es einen besonderen „Sidetrack“ oder eine Erfahrung, die Sie nachhaltig geprägt hat?
Nun ja, ich gehöre inzwischen zur älteren Generation und kann rückblickend sagen: Ich habe früher viel zu oft geschwiegen, mich weggeduckt und meine Meinung nicht aktiv vertreten.
Als ich dann bei dem Unternehmen, in dem ich viele Jahre tätig war, für meine geplante Selbstständigkeit gekündigt hatte, fiel es mir plötzlich deutlich leichter, mich in den letzten sechs Monaten einzubringen und auch regelmäßig ein Veto einzulegen. Das kam zwar spät, führte aber zu sehr spannenden und positiven Rückmeldungen.
Oft habe ich mich selbst eingeschränkt. Irgendwann bin ich zu der Erkenntnis gekommen: Wenn ich Dinge nicht anspreche, kann ich sie auch nicht verändern. Und der einzige Mensch, der mich wirklich ärgern kann, bin ich selbst.
Das klingt einfach, ist aber zugleich hart und sehr wahr. Ich bewerte Situationen – und deshalb liegt es auch an mir, an meiner eigenen Realität zu arbeiten.
3. Wie sind Sie zum RKW Bayern gekommen – eher durch Zufall, durch eine bewusste Entscheidung oder durch eine Mischung aus beidem?
Das war tatsächlich eher Zufall. Ich hatte mich gerade als Trainerin – und damals auch im Coaching – selbstständig gemacht. Einer meiner Teilnehmer arbeitete beim RKW Bayern und empfahl mich weiter.
So entstand eine Zusammenarbeit, die mittlerweile seit vielen Jahren erfolgreich besteht.
4. Was zeichnet Seminare wie „Rhetorik und Persönlichkeit“ oder das „Knigge-Training für Auszubildende“ besonders aus? Welchen Ansatz verfolgen Sie dabei?
In all meinen Trainings geht es vor allem um das Erleben – nicht nur um Theorie. Theorie gehört selbstverständlich dazu, aber sie muss lebendig werden.
Ich arbeite viel mit Übungen, Aha-Momenten, kollegialer Beratung und Gruppenarbeiten. Hinzu kommen moderne Medien und kleine, gut verdauliche Informationsimpulse, sodass die Teilnehmenden den Praxisbezug unmittelbar erkennen.
Das geschieht sehr individuell. Durch meine Erfahrung nehme ich die Stimmung in Gruppen oft sehr genau wahr und passe bei Bedarf auch spontan das Programm an, wenn ich das Gefühl habe, dass andere Methoden gerade hilfreicher wären.
Genau das wird mir häufig positiv zurückgemeldet: das Richtige für die jeweilige Gruppe zur richtigen Zeit.
Ich bin außerdem überzeugt, dass im Wort „Ratschlag“ auch ein „Schlag“ steckt. Deshalb setze ich auf gemeinsames Erarbeiten statt auf reine Wissensvermittlung. So ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass das Gelernte später tatsächlich in die Praxis umgesetzt wird.
5. Wie laufen Inhouse-Schulungen beim RKW Bayern typischerweise ab? Für welche Unternehmen oder Zielgruppen eignen sich diese Veranstaltungen besonders?
Eine Inhouse-Schulung beginnt mit der Begrüßung, dem Kennenlernen – je nach Gruppe individuell gestaltet – und einer Erwartungsabfrage.
Diese führe ich häufig mit interaktiven Medien durch, manchmal aber auch ganz klassisch mit Karten. Zum Abschluss prüfen wir gemeinsam: Welche Erwartungen wurden erfüllt? Was ist vielleicht noch offen?
Bei diesen Abfragen kommen oft Themen zur Sprache, die ursprünglich nicht im Programm vorgesehen waren. Je nach Situation integrieren wir diese direkt in die Veranstaltung oder die Teilnehmenden erhalten ergänzende Informationen in den Seminarunterlagen, die im Nachgang versendet werden.
Anschließend beginnt die eigentliche Arbeit. Die Agenda ist vorgestellt und es folgen Gespräche, Gruppenarbeiten, Präsentationen, Quizze und Feedbackrunden – abhängig vom jeweiligen Thema.
Bereits im Vorfeld stimme ich den roten Faden eng mit der Personalabteilung ab. So stellen wir sicher, dass ein hoher Praxisbezug vorhanden ist und mit konkreten Beispielen aus dem Unternehmen gearbeitet wird.
6. Gibt es einen Fun Fact über Sie, der im Kolleginnen- und Kollegenkreis oder im Freundeskreis regelmäßig für Gesprächsstoff sorgt? Und was verrät dieser vielleicht auch über Sie als Mensch?
Ja, ich höre erstaunlich oft: „Kennen Sie Vera F. Birkenbihl? Sie erinnern mich total an sie.“
Ich kannte Frau Birkenbihl und durfte sie auch live erleben. Sie war eine großartige Trainerin. Einerseits freue ich mich über diesen Vergleich sehr, andererseits sind diese Schuhe für mich eigentlich viel zu groß, und die Rückmeldung ist mir oft etwas unangenehm.
Hinzu kommt, dass mir ihr Kleidungsstil persönlich nie besonders gefallen hat. Deshalb denke ich dann immer sofort: „Nein, so bin ich doch gar nicht angezogen.“ Und anschließend frage ich mich: „Bin ich wirklich schon so alt?“
Das verrät vermutlich einiges über mich. Die Frage „Was ziehe ich an?“ endet nämlich manchmal damit, dass ich meiner Tochter – die ebenfalls Trainerin ist – ein Selfie schicke und sie um Rat frage.
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