Celestin Julian Stretz im Interview

Seit Ende Mai verstärkt Celestin das Team des RKW Bayern e.V. als Projektmanager für Zirkuläres Wirtschaften. Im Interview spricht er über nachhaltige Transformation, Kreislaufwirtschaft und darüber, warum echte Veränderungen vor allem in der Praxis entstehen.

1. Wer bist du?

Ich bin Familienmensch, Vater von zwei Kindern und beschäftige mich intensiv mit nachhaltigem Leben und Wirtschaften. Besonders die Kreislaufwirtschaft begeistert mich, weil sie für mich nicht nur ein wirtschaftliches Konzept ist, sondern ein menschenfreundlicher Ansatz für eine lebenswerte Zukunft.

Nachhaltigkeit versuche ich dabei nicht nur theoretisch zu denken, sondern möglichst praktisch zu leben: Ich wohne mit meiner Familie in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus bei Limburg, das wir Schritt für Schritt so ressourcenschonend wie möglich gestalten – unter anderem mit einer PV-Anlage, nachhaltiger Energieversorgung und einem offenen Wohnkonzept mit gemeinschaftlichem Charakter.

Ich interessiere mich generell für Lösungen, die Ressourcen sinnvoll nutzen, Gemeinschaft stärken und nachhaltiges Leben alltagstauglich machen – von Sharing-Konzepten bis hin zu regionaler Versorgung. Dazu gehören für mich auch die kleinen Dinge des Alltags: eigene Hühner im Garten, Lebensmittel retten statt verschwenden und der Versuch, bewusster zu konsumieren.

2. Was reizt dich an deiner neuen Aufgabe als Projektmanager für Zirkuläres Wirtschaften?

Mich hat besonders angesprochen, die Themen Zirkuläres Wirtschaften und nachhaltige Transformation stärker in die praktische Umsetzung zu bringen. In den vergangenen Jahren war ich viel im wissenschaftlichen Umfeld tätig und habe dabei gemerkt, dass viele gute Konzepte bereits existieren – die eigentliche Herausforderung liegt oft darin, sie in die Praxis zu übersetzen.

Die Möglichkeit, Unternehmen dabei zu begleiten und als Multiplikator zu wirken, finde ich deshalb besonders spannend. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben aus meiner Sicht ein enormes Potenzial, echte Veränderungen anzustoßen, weil sie nah an den Menschen sind und unsere Wirtschaft und Gesellschaft maßgeblich prägen.

Mich motiviert die Vorstellung, gemeinsam mit Unternehmen konkrete Lösungen zu entwickeln und nachhaltiges Wirtschaften nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern tatsächlich im Alltag zu verankern.

3. Worauf freust du dich beim Start besonders?

Ich freue mich besonders auf das Gefühl, mit meiner Arbeit einen konkreten Beitrag leisten zu können. Die Themen zirkuläres Wirtschaften und nachhaltige Transformation begleiten mich schon seit vielen Jahren – zu einer Zeit, in der Circular Economy noch deutlich weniger präsent war und es kaum entsprechende Studiengänge oder klare Karrierewege gab.

Vieles davon habe ich mir aus eigener Initiative aufgebaut. Umso mehr freue ich mich jetzt darauf, diese Erfahrungen und Perspektiven in die Praxis einzubringen, gemeinsam mit anderen weiterzuentwickeln und damit echte Wirkung zu erzielen.

4. Welche Themen findest du besonders spannend?

Besonders spannend finde ich den Austausch mit unterschiedlichen Unternehmen und die Frage, wie offen sie dafür sind, bestehende Prozesse und Geschäftsmodelle neu zu denken. Die Kreislaufwirtschaft geht aus meiner Sicht deutlich weiter als klassische Effizienzsteigerungen oder einzelne Nachhaltigkeitsmaßnahmen – sie verändert die grundlegende Logik des Wirtschaftens.

Im Kern geht es darum, Produkte, Nutzung und Wertschöpfung neu zu betrachten: Menschen möchten beispielsweise nicht unbedingt eine Waschmaschine besitzen, sondern saubere Wäsche haben. Oder bei Beleuchtung steht eigentlich das Licht im Vordergrund und nicht die Lampe selbst. Genau diese Perspektivwechsel finde ich besonders spannend.

Gleichzeitig liegt darin natürlich auch eine Herausforderung, denn Zirkuläres Wirtschaften bedeutet oft, gewohnte Strukturen zu hinterfragen und neue Denkweisen zuzulassen. Ich bin sehr gespannt darauf, wie Unternehmen diesen Wandel gestalten und welche innovativen Ansätze daraus entstehen können.

5. Welche Erfahrungen möchtest du einbringen?

Ich möchte vor allem meine Fähigkeit einbringen, Systeme und Prozesse ganzheitlich zu betrachten. Mir ist wichtig, Zusammenhänge im Gesamtbild zu verstehen und nicht nur einzelne Aspekte isoliert zu optimieren. Gerade im Bereich der Kreislaufwirtschaft zeigt sich oft, dass nachhaltige Lösungen erst dann wirklich sichtbar werden, wenn man Ressourcen, Nutzung, Energie und Lebensdauer gemeinsam denkt.

Spannend finde ich dabei insbesondere den Perspektivwechsel: Eine Lösung ist nicht automatisch nachhaltig, nur weil sie auf den ersten Blick effizienter erscheint. Entscheidend ist häufig, wie Materialien eingesetzt werden, welche Ressourcen benötigt werden und wie sich Produkte langfristig im Kreislauf führen lassen.

Diese systemische Denkweise sowie meine Erfahrung im Bereich Zirkuläres Wirtschaften und nachhaltiger Transformation möchte ich gerne in meine neue Rolle einbringen – mit dem Ziel, praktikable und langfristig sinnvolle Lösungen gemeinsam zu entwickeln.

6. Was möchtest du in den ersten Monaten kennenlernen?

In den ersten Monaten möchte ich vor allem verstehen, wie weit das Thema Zirkuläres Wirtschaften in kleinen und mittelständischen Unternehmen bereits angekommen ist. Besonders spannend finde ich die Frage, wie offen Geschäftsführende und Teams dafür sind, bestehende Prozesse und Geschäftsmodelle neu zu denken.

Da wir mit Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen bundesweit zusammenarbeiten, freue ich mich auf die verschiedenen Perspektiven, Herausforderungen und Ideen. Ich bin gespannt zu sehen, wo Unternehmen bereits Potenziale erkennen und welche innovativen Ansätze gemeinsam entstehen können.

7.  Dein Fun-Fact?

Ich habe in meinem Leben weniger Kaffee getrunken als die meisten von euch bis 16:32 Uhr – nämlich genau drei Tassen. Und ich kann mich an jede einzelne davon erinnern.    

Interesse am Projekt Kreislaufcaptains und zirkulärem Wirtschaften?

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