Christian Hug im Interview

Vom kaufmännischen Einstieg über neun Jahre in London bis hin zu 20 Jahren in einem dynamischen Medienunternehmen: Der berufliche Weg von Christian Hug zeigt, wie Entwicklung entsteht – selten geradlinig, aber stets mit Neugier und Mut zur Veränderung. Heute moderiert er den Erfahrungsaustauschkreis Personalentwicklung des RKW Bayern e. V. und schafft einen geschützten Raum für Austausch zu Führung, Organisation und Wertschätzung von Mitarbeitenden. Was ihn antreibt? Lebenslanges Lernen, Offenheit für Perspektivwechsel und die Überzeugung, dass Empathie unsere stärkste Kompetenz bleibt.
 

1. Was sollten unsere Lesenden über Deinen beruflichen Weg wissen?

„Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt“ wäre eine kurze Zusammenfassung meines Werdegangs:

Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem weiteren Abschluss zum Wirtschaftskorrespondenten begann ich im Bereich People & Culture eines produzierenden Unternehmens zu arbeiten.

Der Witz daran war, dass ich für einen anderen Job eingestellt wurde, als ich mich beworben hatte, was meine berufliche Flexibilität auf die Probe stellte. Im Laufe der Zeit wurde mir sogar ein Auslandspraktikum in einem Tochterunternehmen ermöglicht. Nach der Rückkehr ging es für mich dort knapp drei Jahre weiter, bis ich feststellte, dass ich mit meinem schulischen Abschluss an einer Uni in England verkürzt den Bachelor absolvieren konnte.

Etwas naiv ging ich an die Sache heran. Der Plan, nach einem Jahr wieder nach Deutschland zu ziehen, ging nicht ganz auf. Aus einem Jahr wurden neun Jahre. Ich suchte mir einen Job in der Londoner City und arbeitete bei der Niederlassung einer deutschen Landesbank. Diese bot mir die Möglichkeit, berufsbegleitend den Master zu absolvieren. Kurz entschlossen nahm ich das Angebot an und verpflichtete mich für weitere Jahre – auch über das Studium hinaus – als Personaler in der Bank zu arbeiten.

Nach einigen Jahren wurde ich für eine pan-europäische Personalerstelle in einem Medienunternehmen angesprochen und wechselte die Branche. Nach einem Jahr in dem Job habe ich meinen Lebensmittelpunkt von London nach München verlagert, was meine berufliche Reisetätigkeit innerhalb Europas vereinfachte.

In den nunmehr 20 Jahren im gleichen Unternehmen und einem sich stetig ändernden, dynamischen Umfeld hatte ich diverse Positionen inne, z. B. leitete ich den Bereich Gesundheitsmanagement & Inklusion. Die letzten 15 Jahre habe ich meine Expertise um den Bereich Inklusion erweitert.

Für manche ist Veränderung und Ungewissheit gleichbedeutend mit Bedrohung. Ich habe es stets als Bereicherung gesehen, mich weiterzubilden – selbst abends und am Wochenende ging es weiter: als systemischer Business Coach, Change- und Organisationsentwicklungsberater, systemischer Struktursteller, Mental Health First Aider, HP-Psychotherapie oder in diversen Persönlichkeitstools wie MBTI (Myers-Briggs-Typenindikator) oder Profiling Values.

War das alles so geplant? Definitiv nicht. Vielmehr bin ich mit und durch die Herausforderungen gewachsen – und das zum Guten. Mein Fazit: Go with the flow – prüfe immer wieder, ob der Job noch zu dir passt. Wenn „ja“, dann ist das Gras woanders auch nicht grüner, und man kann auch innerhalb eines Unternehmens diverse neue Dinge bewegen und das vertraute Netzwerk nutzen.

2. Wie bist Du eigentlich zum RKW Bayern gekommen?

Zunächst wurde ich angefragt, themenspezifisch einen Vortrag zu halten. Der damalige Moderator erkrankte leider kurzfristig zu dem geplanten Termin, und so wurde mir angeboten, den kompletten Tag zu moderieren.

Da der bisherige Moderator nach der Genesung kürzertreten wollte, wurde mir die weitere Moderation angeboten. Aus der Aushilfe wurde eine „Aushilfsmoderation“ – eine Konstante, und das nun schon seit über fünf Jahren.

Es macht mir außerordentlich Spaß, den praxisnahen Erfahrungsaustauschkreis Personalentwicklung zu moderieren. Was ich besonders schätze, ist der Austausch der Teilnehmenden zu brennenden Themen – auch außerhalb unserer Treffen – sowie die kollegiale Fallberatung in einem gesondert geschützten Rahmen.

3. Was ist für Dich das Besondere an den RKW-Erfahrungsaustauschkreisen?

Für mich ist der Austausch besonders wertvoll, da ich immer wieder sehe, dass wir Themen besprechen, in denen es um Führung, Entwicklung, Leitung, Organisation und Wertschätzung von Mitarbeitenden geht – und alle Unternehmen sich den gleichen Themen stellen müssen.

Jedes Unternehmen jedoch auf seine Weise, entsprechend der Kultur, Branche oder dem Grad der Dringlichkeit. Der professionelle Austausch in einem geschützten, vertraulichen Rahmen hilft, Dinge im Detail zu beleuchten. Mal ist ein Unternehmen federführend in einer Thematik, mal ein anderes. Und letztlich wird das Rad nicht immer wieder neu erfunden, sondern bewährte Prozesse und Lösungen können kritisch hinterfragt und von jedem Teilnehmenden – sofern passend – als Lösungsansatz und Inspiration ins eigene Unternehmen mitgenommen werden.

4. Verrate uns einen Fun-Fakt über Dich – und was sagt er über Dich als Mensch aus?

Ich werde immer wieder gefragt, wann es denn mal „reicht“ und gut ist mit meinen Ausbildungen. Fakt ist, dass ich mich für das Frühjahr 2026 zu einer neuen Weiterbildung mit Fokus auf klientenzentrierte Gesprächstherapie nach Rogers angemeldet habe. Lernen ist für mich – wie für andere der Sport – es macht süchtig!

Beim Lernen begegnet man Menschen, die sich aus diversen Motiven auf den Weg machen: nach Wissen, nach Entwicklung, nach neuen Impulsen – das finde ich spannend. Ich versuche mir dabei stets bewusst zu machen: Was uns Technik und Maschinen voraushaben mögen, ist die KI (Künstliche Intelligenz). Und was wir Menschen den Maschinen voraushaben, ist die Empathie und EI (Emotionale Intelligenz).

Interesse am Erfahrungsaustauschkreis Personalentwicklung?

Hier finden Sie alle Informationen und Termine.

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