Cordula Flemke im Interview

Führungskompetenz ist heute ein entscheidender Erfolgsfaktor für Unternehmen. Mit ihren praxisnahen Seminaren „Vom Kollegen zur Führungskraft“, „Motivation durch Führung“ und „BWL für Führungskräfte“ sowie individuellen Inhouse-Trainings für Führungskräfte und Teams unterstützt Cordula Flemke Unternehmen dabei, Führungskompetenzen gezielt weiterzuentwickeln. Im Interview spricht sie über die Anforderungen an moderne Führung, den erfolgreichen Rollenwechsel vom Teammitglied zur Führungskraft, die Bedeutung betriebswirtschaftlicher Kompetenzen und gibt persönliche Einblicke in ihren beruflichen Werdegang sowie ihre Zusammenarbeit mit dem RKW Bayern.

1. Führungskompetenz wird in Unternehmen immer wichtiger. Warum sind Themen wie Führung, Motivation und betriebswirtschaftliches Verständnis heute so entscheidend – und wie können Unternehmen ihre Mitarbeitenden gezielt dabei unterstützen?

Führungskompetenz und betriebswirtschaftliches Verständnis sind zwei entscheidende Säulen für den Unternehmenserfolg.

Gute Führung beeinflusst maßgeblich, ob Mitarbeitende bleiben, sich engagieren und ihr Potenzial einbringen – oder das Unternehmen verlassen. Gleichzeitig sind die Anforderungen an Führungskräfte deutlich gestiegen und werden weiter zunehmen. Führungsarbeit braucht heute mehr Zeit, Aufmerksamkeit und Engagement als früher.

Ein fundiertes Verständnis von Persönlichkeit, Talenten und Motivation gehört deshalb ebenso zum Handwerkszeug wie eine klare und wertschätzende Kommunikation. Gerade durch den Generationenwandel werden aktuell wichtige Weichen dafür gestellt, wie Zusammenarbeit in Zukunft gelingen kann.

Auch betriebswirtschaftliche Kompetenzen gewinnen weiter an Bedeutung. Unternehmen müssen auf immer schnellere Veränderungen ihres Umfelds reagieren. Dafür braucht es ein gutes Verständnis von Steuerungssystemen, Zusammenhängen und komplexen Anforderungen. Führungskräfte sollten Handlungsspielräume und mögliche Konsequenzen schnell einschätzen können, um tragfähige Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen.

Unternehmen können ihre Mitarbeitenden dabei gezielt unterstützen, indem sie Führung und betriebswirtschaftliches Denken nicht dem Zufall überlassen, sondern durch praxisnahe Trainings, Reflexion und kontinuierliche Weiterbildung systematisch fördern.

2. Was sollten unsere Lesenden über Ihren beruflichen Weg unbedingt wissen? Gab es einen besonderen „Sidetrack“ oder eine Erfahrung, die Sie nachhaltig geprägt hat?

Ich bin in einem Unternehmerhaushalt aufgewachsen und habe dadurch schon früh Einblicke in unternehmerisches Denken und Handeln erhalten, insbesondere in das eines Familienbetriebs.

Später habe ich als Mitarbeiterin ganz unterschiedliche Unternehmenswelten kennengelernt – von kleinen Organisationen bis hin zu Konzernstrukturen. Dabei bin ich auch sehr verschiedenen Führungspersönlichkeiten und Führungskulturen begegnet, manche auch etwas fragwürdig aus heutiger Sicht.

Diese Erfahrungen bilden gemeinsam mit meinen Beratungsprojekten und meiner kontinuierlichen Weiterbildung ein vielseitiges Portfolio. In meine Trainings bringe ich deshalb sowohl eine fundierte methodische Basis als auch viel praktische Erfahrung aus dem Unternehmensalltag ein.

3. Wie sind Sie zum RKW Bayern gekommen – eher durch Zufall, durch eine bewusste Entscheidung oder durch eine Mischung aus beidem?

Es war tatsächlich eine besondere Mischung aus beidem.

Bereits in den ersten Jahren meiner Selbstständigkeit habe ich Beratungsprojekte für kleine und mittlere Unternehmen begleitet, die durch das RKW gefördert wurden. Durch Veränderungen in der Förderlandschaft, den Strukturen und Zuständigkeiten entwickelte sich dieser Kontakt in eine andere Richtung.

Während der Corona-Pandemie ergab sich dann erneut eine Verbindung zum RKW – diesmal im Rahmen von Förderprogrammen für KMU und bei der Umsetzung des Projekts „UnternehmensWertMensch“.

So entstand wieder der Kontakt zum RKW Bayern, insbesondere zu Herrn Wissinger. Daraus entwickelte sich schließlich die heutige Zusammenarbeit im Bereich der offenen und Inhouse-Trainings, die das bestehende Programm nun ergänzen.

4. Was macht das RKW-Seminar „Vom Kollegen zur Führungskraft“ besonders? Und welchen Führungsansatz vertreten Sie persönlich?

„Vom Kollegen zur Führungskraft“ ist ein sehr lebendiges und praxisnahes Training. Es ist interaktiv aufgebaut und bietet viel Raum für Austausch, Übungen und persönliche Reflexion. Dadurch können wir gezielt auf die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Erfahrungen der Teilnehmenden eingehen.

Der Wechsel aus dem Kollegenkreis in eine Führungsrolle bringt viele Veränderungen mit sich. Beziehungen verschieben sich, Erwartungen steigen und die eigene Rolle muss neu definiert werden. Genau diese Herausforderungen machen wir im Seminar sichtbar und entwickeln konkrete Möglichkeiten, damit sicher und souverän umzugehen.

Persönlich vertrete ich vor allem einen situativen Führungsansatz. Führung sollte sich an der jeweiligen Person, der Situation und der Aufgabe orientieren. Ergänzend finde ich die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeitsstruktur auf Grundlage der Big Five besonders wertvoll. Wer sich selbst gut kennt, kann auch andere Menschen klarer einschätzen und bewusster führen.

Ich bin überzeugt, dass diese Kombination viele Führungskräfte nachhaltig voranbringt.

5. Wie läuft eine Inhouse-Schulung beim RKW Bayern typischerweise ab? Für welche Unternehmen oder Zielgruppen eignen sich diese Veranstaltungen besonders?

Am Anfang einer Inhouse-Schulung steht in der Regel die Abstimmung der Terminwünsche und Inhalte. Sind die Inhalte bereits klar definiert, kann die konkrete Planung direkt beginnen.

Häufig erfolgt jedoch zunächst noch ein inhaltliches Feintuning. Dabei klären wir, welche Themen besonders wichtig sind, welche Herausforderungen das Unternehmen aktuell beschäftigen und ob spezielle Fragestellungen berücksichtigt werden sollen. So entsteht ein Training, das möglichst genau zur Organisation und zu den Teilnehmenden passt.

Inhouse-Schulungen eignen sich grundsätzlich für Unternehmen, die mehrere Führungskräfte gleichzeitig weiterentwickeln möchten. Besonders sinnvoll ist dieses Format ab einer Gruppengröße von etwa acht Teilnehmenden. Der große Vorteil besteht darin, dass alle mit einem gemeinsamen Führungsverständnis arbeiten und die Inhalte unmittelbar auf den eigenen Unternehmensalltag übertragen können.

6. Gibt es einen Fun Fact über Sie, der im Kolleginnen- und Kollegenkreis oder im Freundeskreis regelmäßig für Gesprächsstoff sorgt? Und was verrät dieser vielleicht auch über Sie als Mensch?

Der Albtraum jeder Trainerin und jedes Trainers ist vermutlich der Anruf: „Wo bleiben Sie? Wir sind schon alle da!“

Glücklicherweise ist mir das nur ein einziges Mal passiert, und zwar bei einem Online-Training. Ich konnte mich sofort einwählen, und da alle Unterlagen bereits vorbereitet waren, ließ sich die Situation schnell und unkompliziert lösen.

Seitdem prüfe ich meine Termine lieber einmal mehr als einmal zu wenig. Ort, Uhrzeit und Zugangsdaten kontrolliere ich sehr sorgfältig. Das verrät vermutlich einiges über mich: Ich bin gut vorbereitet, zuverlässig und möchte, dass sich meine Teilnehmenden von Anfang an gut aufgehoben fühlen.

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