Tobias Hirschmann im Interview

Vom Controlling-Trainee über internationale Stationen in Indien und Spanien bis hin zur strategischen Führungsrolle in Deutschland: Tobias Hirschmann bringt vielfältige Perspektiven in den RKW-Erfahrungsaustauschkreis Finanzen und Controlling ein. Zahlen bedeuten für ihn mehr als Analyse – sie geben Orientierung und verbinden Bereiche im Unternehmen. Neben betriebswirtschaftlicher Klarheit prägt ihn die Entwicklung von Mitarbeitenden, ergänzt durch eine systemische Coaching-Ausbildung. Beim Kick-off am 20.04.2026 in Kinding möchte er Finanz-Entscheidende zusammenbringen, um aktuelle Herausforderungen – von KI bis Regulatorik – praxisnah zu diskutieren und voneinander zu lernen.

1. Was sollten unsere Lesenden über Deinen beruflichen Weg wissen?

Wahrscheinlich wirkt mein Lebenslauf – von außen betrachtet – wie eine sehr logische und konsequente Entwicklung, die – typisch Controller – von Anfang an durchgeplant war und abweichungsfrei verlief. Dem ist definitiv nicht so.

Ich habe während meines Studiums – und auch noch lange Zeit im Beruf – Personen beneidet, die zumindest nach außen stets eine klare Idee hatten, was sie beruflich wann erreichen und welche Position sie bis zu welchem Zeitpunkt bekleiden wollten. Mir fehlte diese konkrete Vision. Stattdessen war es mir wichtig, in einer Position viel zu lernen und mich weiterzuentwickeln sowie neue berufliche Angebote dann anzunehmen, wenn sie mir in dem Moment passend und spannend erschienen. Der Rest würde sich finden. Tatsächlich bin ich mit dieser Devise gut gefahren. Das hat für mich nichts mit Beliebigkeit zu tun, sondern mit tiefer Neugier und Lernbereitschaft – und mit einem großen Durchhaltewillen, wenn ich einen Weg eingeschlagen habe.

Nach meinem Studium der internationalen BWL startete ich als Controlling-Trainee bei einem internationalen Lebensmittelhersteller in Bielefeld. Wichtig war mir, nicht nur verschiedene Controlling-Positionen kennenzulernen, sondern auch in andere Bereiche einzutauchen. So gewann ich vielfältige Einblicke in unterschiedliche Perspektiven auf das Unternehmen. Anschließend übernahm ich die Rolle des Marketing- und Werkscontrollers für das deutsche Nährmittelgeschäft und konnte mein Wissen weiter vertiefen.

Am Controlling fasziniert mich bis heute, wie schnell sich Zusammenhänge erkennen lassen und wie viel Orientierung man einem Unternehmen geben kann, wenn man bereit ist, genau hinzuhören, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und Annahmen kritisch zu hinterfragen. Controlling bedeutet für mich daher nicht nur Zahlenanalyse, sondern ein umfassendes Verständnis für Steuerungslogiken.

Ebenso entscheidend ist die Fähigkeit, über Abteilungsgrenzen hinweg zu denken und zu handeln. Analysen und Empfehlungen entfalten ihre Wirkung erst dann vollständig, wenn sie klar, verständlich und adressatengerecht vermittelt werden. Eine oft unterschätzte Kompetenz ist daher Kommunikationsstärke – gepaart mit diplomatischem Geschick.

Mit der starken internationalen Expansion des Unternehmens ergab sich für mich unerwartet die Möglichkeit, mehrere Jahre in einer Neuakquisition in Indien das Controllingsystem aufzubauen. Die Entscheidung, nach Asien zu gehen, fiel mir nicht leicht, da Indien ursprünglich nicht auf meiner Wunschliste stand. Rückblickend war es eine der prägendsten Erfahrungen meines Berufslebens – beruflich wie persönlich. Ich durfte in jungen Jahren eigenständig Strukturen aufbauen und erlebte viel Vertrauen. Gleichzeitig veränderte die Perspektive als „Fremder“ in einer anderen Kultur meinen Blick dauerhaft. Gerade in schwierigen Phasen wurde mir klar, wie wichtig Disziplin und Durchhaltevermögen sind. Am Ende stand eine wundervolle und erfolgreiche Zeit.

Anschließend führte mich mein Weg – auch dank meiner Spanischkenntnisse – als kaufmännischer Leiter nach Barcelona. Die sieben Jahre dort waren fachlich wie persönlich bereichernd. Gemeinsam mit einem großartigen Team entwickelten wir die Organisation erfolgreich weiter – in einem nicht immer einfachen Marktumfeld. Viele Kolleginnen und Kollegen wurden zu Freunden, und bis heute pflege ich Kontakte nach Katalonien. Dort habe ich gelernt, dass sehr gute Arbeitsergebnisse und ein entspanntes Miteinander keine Gegensätze sind, sondern sich hervorragend ergänzen.

Nach beinahe zehn Jahren im Ausland kehrte ich nach Deutschland zurück und übernahm in der Zentrale die Programmleitung für die Einführung eines neuen ERP-Systems im laufenden Betrieb – ein strategisch bedeutendes Projekt. So wechselte ich erneut die Perspektive: von dezentralen Organisationen hin zur Konzernzentrale. Anschließend wirkte ich am Aufbau einer neuen Controllingeinheit mit, die zentrale Funktionen betriebswirtschaftlich beriet. Dadurch habe ich gelernt, unterschiedliche betriebswirtschaftliche Perspektiven einzunehmen und zwischen ihnen zu vermitteln.

Nach über 15 Jahren bei meinem ersten Arbeitgeber kehrte ich aus familiären Gründen in meine oberfränkische Heimat Bayreuth zurück. Als Teamlead Controlling in einem Startup der veganen Lebensmittelproduktion erlebte ich eine sehr dynamische, unternehmerische Umgebung – anders als im Konzern, aber ebenso prägend.

Heute bin ich seit knapp einem Jahr Teamlead Controlling bei einem Lebensmittelhersteller in München und bringe meine internationale sowie strategische Erfahrung ein. Parallel schaffe ich mir bewusst Raum für Themen, die ich in selbstständiger Tätigkeit bearbeite.

Mit zunehmender Führungserfahrung wurde mir klar, dass mich neben Zahlen besonders die Entwicklung von Menschen motiviert. Mitarbeitende auf ihrem Weg zu begleiten und Potenziale sichtbar zu machen, empfinde ich als ebenso erfüllend wie strategische Steuerung. Deshalb habe ich vor knapp zwei Jahren eine systemische Coaching-Ausbildung begonnen und im vergangenen Jahr abgeschlossen – als konsequente Ergänzung meiner Führungsrolle. Dieses Zusammenspiel aus betriebswirtschaftlicher Klarheit und persönlicher Entwicklung möchte ich weiter ausbauen.

2. Wie bist Du eigentlich zum RKW Bayern gekommen?

Im Rahmen meiner Ausbildung wurde ich von einem anderen Teilnehmenden darauf angesprochen, dass beim RKW Bayern eine Vakanz zu besetzen sei. Viel Überlegung brauchte es nicht: Die Aufgabe ermöglicht es mir, als Moderator in eine neue Rolle hineinzuwachsen und gleichzeitig meine Erfahrung einzubringen. Wahrscheinlich also zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und die Entscheidung fühlte sich wie ein stimmiger Schritt an, etwas Neues auszuprobieren.

3. Worauf freust Du dich bei Deinem ersten Erfahrungsaustauschkreis als Moderator am 20.04.2026 besonders?

Ich freue mich darauf, viele neue Finanzentscheidende kennenzulernen und gemeinsam Themenfelder zu definieren, die die Menschen in ihren Bereichen aktuell bewegen. Idealerweise unterstützen sich die Entscheidenden gegenseitig mit Best Practices aus ihren jeweiligen Organisationen, sodass neue Perspektiven auf sektorspezifische Herausforderungen entstehen. Und natürlich freue ich mich darauf, die Personen hinter den Funktionen kennenzulernen – und gemeinsam eine gute, vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre zu schaffen.

4. Warum ist der Austausch im Bereich Finanzen und Controlling aus Deiner Sicht heute wichtiger denn je?

Ich habe vor Kurzem einen Podcast von „Meckel & Matthes“ gehört, in dem im Zusammenhang mit dem Buzzword „KI“ die These vertreten wurde, dass wir am Beginn eines der größten Umbrüche seit der industriellen Revolution stehen.

Ironischerweise sind aktuell besonders sichtbar textbasierte und kreative Bereiche betroffen. Doch auch das numerische Verständnis und die Analysefähigkeiten von KI entwickeln sich rasant. Dadurch eröffnen sich völlig neue Fragestellungen in der Unternehmenssteuerung. Hinzu kommen gesetzliche Veränderungen und neue regulatorische Rahmenbedingungen.

Es wird uns also sicher nicht an Themen mangeln – und der Austausch mit anderen bringt stets neue Perspektiven und Impulse.

5. Verrate uns einen Fun-Fact über dich – und was sagt er über Dich als Mensch aus?

Ich erwähne als „fun-fact“ nun einmal, dass ich seit mehr als 30 Jahren (!) ein fanatischer American Football Fan bin. Früher fand ich alles, was aus den USA kam uneingeschränkt gut und faszinierend (das hat sich grundsätzlich gewandelt!). Und  so beschäftigte ich mich irgendwann mit Hilfe von Zeitschriften, Büchern und CNN mit dieser erstmal völlig undurchschaubaren Sportart. Aber wenn man die Grundlagen des Spiels einmal verstanden hat, eröffnen sich nahezu unendliche Weiten: es ist eine wirklich beeindruckende Mischung aus Physis, Strategie und Show. Ich denke, es sagt etwas über meine Neugier, meinen Enthusiasmus aber auch meine Disziplin aus, mich in ungewohnte Dinge einarbeiten zu können – um es dann umso mehr zu genießen, etwas aus diesem Wissen zu machen.

Kick-Off Erfa Finanzen & Contolling

Kommen Sie zur kostenlosen Kick-Off-Veranstaltung des Erfahrungsaustauschkreises Finanzen & Contolling am 20.04.2026 von 12:00 bis 16:30 Uhr in 85125 Kinding.

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Ruth Gehrhardt Erfahrungsaustauschkreise | Projektmitarbeiterin INQA-Coaching

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Ruth Gehrhardt